Gesundheit

Die gesundheitlichen Folgen des Dampfens werden seit zehn Jahren intensiv untersucht. Die Datenlage ist komplex und vielfach widersprüchlich. Eine sachliche Einordnung — ohne pauschale Bewertung in die eine oder andere Richtung.

Public Health England 2015

Im August 2015 veröffentlichte Public Health England (heute UK Health Security Agency) ein viel zitiertes Gutachten unter Federführung von Ann McNeill und Peter Hajek. Kernaussage: E-Zigaretten seien "around 95 % less harmful than smoking" — um etwa 95 % weniger schädlich als Tabakrauchen. Die Schätzung beruhte auf einem Vergleich der typischen Inhaltsstoffe und nicht auf Langzeitkohortenstudien.

Diese Zahl wurde später mehrfach revidiert und kritisiert. Sie ist ein Vergleichswert mit dem Tabakrauchen, kein Absolutwert: Dampfen ist nach dieser Schätzung deutlich weniger schädlich als Rauchen, aber nicht harmlos. PHE selbst hat in späteren Gutachten (zuletzt 2022) die 95-Prozent-Zahl nicht mehr in dieser Form bestätigt und auf die Notwendigkeit weiterer Forschung verwiesen.

EVALI 2019

Im Sommer und Herbst 2019 wurden in den USA über 2800 Fälle einer schweren Lungenerkrankung mit zeitweise tödlichem Verlauf registriert. Die Diagnose lautete EVALIE-cigarette or Vaping product use Associated Lung Injury.

Die epidemiologische Aufklärung durch die CDC identifizierte als Hauptursache Vitamin-E-Acetat, das illegal als Streckmittel in THC-haltige Cartridges des US-Schwarzmarkts gemischt worden war. In regulären EU-Liquids ohne Vitamin-E-Acetat sind keine vergleichbaren Fälle aufgetreten. EVALI ist daher kein Argument gegen geregelte EU-Liquids, aber ein Warnschild gegen unregulierte Marktwege.

Was im Aerosol enthalten ist

Untersuchungen wie die des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und das Goniewicz-et-al.-Aerosolanalysen zeigen:

Langzeitdaten

Die Dampfzigarette in heutiger Form ist seit etwa 2007 auf dem Markt — Langzeitkohortenstudien über 20 bis 40 Jahre, wie sie für das Tabakrauchen vorliegen, existieren nicht. Erste mittelfristige Daten (5- bis 10-Jahres-Follow-ups) deuten auf erhöhte Risiken für Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Symptomatik im Vergleich zu Nichtrauchern hin, allerdings deutlich geringer als bei Rauchern. Diese Daten müssen vorsichtig interpretiert werden, da viele Dampfer frühere Raucher sind und Restwirkungen des Rauchens noch nachwirken.

Nikotin als Wirkstoff

Unabhängig vom Aerosol ist Nikotin selbst ein psychoaktiver, abhängigkeitserzeugender Stoff. Er beschleunigt den Herzschlag, erhöht kurzfristig den Blutdruck und fördert die Vasokonstriktion. Bei Schwangeren steht Nikotin im Verdacht, die kindliche Entwicklung zu beeinträchtigen. Für Jugendliche gilt Nikotin als besonders problematisch, weil sich die Empfindlichkeit gegenüber Belohnungsstimuli im jugendlichen Gehirn stärker prägt.

Rauchentwöhnung

Eine Cochrane-Studie von Hartmann-Boyce et al. (aktualisiert 2022) kommt zu dem Schluss, dass nikotinhaltige E-Zigaretten beim Tabakverzicht wahrscheinlich wirksamer sind als Nikotinersatzprodukte wie Pflaster oder Kaugummis. Diese Aussage darf nach § 19 TabakerzG nicht zu Werbezwecken verwendet werden, ist aber wissenschaftlich publiziert. Die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt die Dampfzigarette dennoch nicht als primäres Entwöhnungsmittel.

Was die Position deutscher Behörden ist

Praktische Einordnung

Diese Seite trifft keine Empfehlung. Wer dampft, sollte auf TPD2-konforme Produkte aus regulärem Handel zurückgreifen, Dry Hits vermeiden, regelmäßig Coil wechseln und bei Atembeschwerden ärztlichen Rat einholen. Für Nichtraucher und Jugendliche besteht aus medizinischer Sicht kein Grund, mit dem Dampfen zu beginnen.