Liquids
Ein Liquid besteht aus vier oder fünf Hauptkomponenten in stark variierenden Verhältnissen. Was drin ist und welche Rolle die einzelnen Bestandteile spielen.
Die Basis: PG und VG
Den Hauptanteil eines Liquids bilden zwei Trägerstoffe:
- Propylenglykol (PG): eine dünnflüssige, geruchsneutrale Verbindung. Lebensmitteltechnisch als E 1520 zugelassen. Trägt Aromen gut und erzeugt den sogenannten Throat Hit — das kratzige Gefühl im Hals, das von Tabakzigaretten bekannt ist.
- Vegetable Glycerin (VG): ein zähflüssiger Pflanzenfettalkohol (Glycerol, E 422). Erzeugt die sichtbare Dampfwolke. Schmeckt leicht süß.
Das Verhältnis zwischen PG und VG bestimmt den Charakter des Liquids erheblich:
| Verhältnis | Eigenschaft | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| 50/50 | ausgewogen | MTL, Pod-Systeme |
| 60/40 oder 70/30 (VG/PG) | mehr Dampf, weicher | Sub-Ohm, DL |
| Max VG (80/20 oder 100/0) | maximale Dampfwolke, wenig Aroma | Cloud Chasing, RDA |
Nikotin
Nikotin ist optional. In Deutschland ist die Nikotinstärke nach Tabakerzeugnisgesetz auf maximal 20 mg/ml begrenzt. Übliche Stufen:
- 0 mg/ml — nikotinfrei.
- 3 mg/ml — sehr leichte Dosierung, vor allem für Sub-Ohm/DL.
- 6 mg/ml — leichte Dosierung.
- 12 mg/ml — mittlere Dosierung.
- 18 mg/ml — starke Dosierung, MTL, ähnlich einer mittelstarken Tabakzigarette.
- 20 mg/ml — gesetzlicher Maximalwert in DE/EU.
Freebase-Nikotin vs. Nikotinsalz
Es gibt zwei chemische Formen, in denen Nikotin in Liquids vorkommt:
Freebase-Nikotin ist die klassische Form — reines Nikotin in alkalischer Form. Bei höheren Konzentrationen wird der Throat Hit unangenehm scharf, weshalb Freebase-Liquids typischerweise nicht über 12 mg/ml dosiert werden.
Nikotinsalze entstehen durch Zusatz einer organischen Säure (meist Benzoesäure oder Levulinsäure), die das Nikotin in eine Salzform überführt. Folge: der pH-Wert wird neutraler, hohe Dosierungen (10-20 mg/ml) werden besser vertragen, das Nikotin wird schneller im Blut aufgenommen. Nikotinsalze sind die typische Wahl für Pod-Systeme und Disposables.
Aromen
Aromen machen typischerweise 2 bis 15 % des Liquids aus. Sie sind in der Regel lebensmittelqualifiziert (Verordnung (EG) Nr. 1334/2008). Allerdings sind viele Aromen für die orale, nicht für die inhalative Aufnahme geprüft worden — eine wichtige Unschärfe in der gesundheitlichen Bewertung.
Typische Aromakategorien: Tabak (verschiedene Tabaksorten nachempfunden), Frucht, Menthol, Dessert/Bäckerei, Getränke. In Deutschland sind ab Oktober 2025 nach einer EU-Richtlinie nikotinhaltige Aromen außer Tabak und Menthol in Einweg-Liquids eingeschränkt — der genaue Geltungsbereich hängt von der nationalen Umsetzung ab.
Shake-and-Vape und Nikotin-Shots
Wegen der 10-ml-Behältergröße für nikotinhaltige Liquids hat sich der Markt mit nikotinfreien Basisliquids in größeren Behältern (50, 60, 100 ml) beholfen, denen ein Nikotin-Shot beigemischt wird. Ein typischer Shot ist 10 ml mit 20 mg/ml Nikotin und wird in einen 50-ml-Basisliquid eingegossen, was rund 3,3 mg/ml Endkonzentration ergibt. Diese Praxis bewegt sich rechtlich an der Grenze des TabakerzG.
Was nicht in Liquids gehört
Bestimmte Stoffe sind in regulären Liquids verboten oder problematisch:
- Vitamin-E-Acetat — in den USA 2019 als Hauptursache für EVALI identifiziert. In regulären EU-Liquids nicht enthalten, kam in illegalen THC-Patronen vor.
- Diacetyl — ein Butter-Aroma, das in zu hohen Konzentrationen mit der sogenannten Popcorn-Lunge (Bronchiolitis obliterans) in Verbindung gebracht wurde. In der EU streng begrenzt.
- Ätherische Öle — gehören nicht in inhalierbare Liquids.
Häufige Fragen
- Was bedeutet 70/30 bei einem Liquid?
Es handelt sich um das Verhältnis VG zu PG — 70 % Vegetable Glycerin und 30 % Propylenglykol. Das ist ein typisches Mischungsverhältnis für Sub-Ohm-Dampfen mit kräftiger Dampfentwicklung.
- Wie unterscheidet sich Nikotinsalz von Freebase-Nikotin?
Chemisch durch das Hinzufügen einer organischen Säure (z. B. Benzoesäure). Das senkt den pH-Wert, macht hohe Nikotin-Dosierungen verträglicher und beschleunigt die Aufnahme. Praktisch erkennbar an der Bezeichnung "Nic Salt" oder "NS" auf der Packung.